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Brockhaus
Grafik Brockhaus

Gestaltung des BROCKHAUS in einem Band (limitierte Künstleredition)

Dazu erscheint eine handkolorierte Grafik zum Buch in einer Sonderauflage mit Geschenkbox: Siebdruck, Aquarell auf Papier, handkoloriert, 19 cm x 27,8 cm, Auflage 100 Stk., signiert, nummeriert und datiert.

Der Zukunft verpflichtet – Brockhaus fördert Kunst

von Detlef Wienecke-Janz

Aus der Historie heraus passen Brockhaus und Kunst perfekt zusammen. Brockhaus als die klassische Wissensmarke ist fester Bestandteil des deutschsprachigen Kulturlebens. Sein zentrales Anliegen „Wissen, Bildung und Lernen“ zielt auf eine Förderung der aktiven kulturellen und bildungsorientierten Mitwirkung seiner Nutzer. Die Herausgabe von zahlreichen Künstlerausgaben etablierter Künstler wie Friedensreich Hundertwasser, James Rizzi, Andy Warhol, André Heller oder Udo Lindenberg war so nur naheliegend. Erstmals unter dem Dach von wissenmedia präsentieren wir eine neue Künstlerausgabe, gestaltet von einer jungen Malerin.

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Anfang des Jahres hat uns der ausgewiesene Kunstförderer Dr. Alexander Tolnay das Gemälde „Zeitgeist der Philosophen“ der Künstlerin Yvonne van Acht empfohlen, da es „punktgenau zur Brockhaus Philosophie passe“. Die Aussage des Bildes „Wissen in die Welt zu tragen“ und das Anliegen unseres Verlags stimmen tatsächlich perfekt überein. So haben wir beschlossen, das Cover des „Großen Brockhaus in einem Band“, der jetzt gerade neu erscheint, mit dem Gemälde der jungen Malerin zu gestalten.

Dies war für uns eine Art Initialzündung, die Verknüpfung von Brockhaus und Kunst langfristig um die Förderung von Nachwuchskünstlern zu ergänzen. Aus dem Einzelprojekt heraus ist die Idee entstanden, alle zwei Jahre einen Brockhaus-Titel herauszugeben, dessen Äußeres wir als Projektionsfläche für einen jungen Künstler zur Verfügung stellen. Mit dem neuen Projekt „Brockhaus fördert junge Künstler“ geben wir so begabten Künstlern die Chance, öffentlich in Erscheinung zu treten und sich einen Namen zu machen.

Um talentierte Nachwuchskünstler ausfindig zu machen, haben wir für die zukünftigen Projekte eine unabhängige Expertenjury gebildet. Ihr gehören an: Dr. Alexander Tolnay (Kunsthistoriker; ehem. Direktor des Neuen Berliner Kunstvereins), Dr. Beate Reifenscheid (Direktorin des Ludwig Museum in Koblenz und aus dem Hause wissenmedia Armin Sinnwell (Verleger Faksimile Verlag). Die Nachwuchskünstler und ihre Werke sollen eine Affinität zur Marke Brockhaus und dem Dreiklang „Wissen, Bildung, Lernen“ haben. Ferner sind Gegenwarts- und Zukunftsbezug sowie buchhandwerkliche Umsetzbarkeit Voraussetzungen aus Verlagssicht. Künstlerische Qualität, künstlerische Eigenständigkeit und künstlerisches Entwicklungspotenzial sind Auswahlmerkmale aus Kunstexpertensicht. Die Jury wird uns künftig auf Basis dieser Kriterien regelmäßig auf junge Künstler aufmerksam machen. Hoffentlich werden es viele spannende Vorschläge sein, damit das Projekt „Brockhaus fördert Kunst und Künstler“ zur voller Blüte reift.

„Wissen trifft Kunst“

„Der große Brockhaus in einem Band“

Mit Wissen begeistern – das ist das Ziel des neuen „Großen Brockhaus in einem Band“. Die ausdrucksstarke Kombination von Aktualität und inhaltlicher Qualität im völlig neuen zeitgemäßen Layout mit der faszinierenden Bildsprache Yvonne van Achts macht die limitierte Künstlerausgabe hoffentlich zu einem besonderen Erlebnis. Der Inhalt des Lexikons entspricht dem der neu entwickelten Handelsausgabe. Der 1.176 Seiten umfassende Einbänder erhält erstmals als Künstlerausgabe zusätzlich einen hochwertigen Schuber und wird in der streng limitierten Auflage von 650 Exemplaren angeboten. Erstmalig können unsere Kunden auf die Inhalte auch online zugreifen: Auf dem Brockhaus-Premiumportal werden die Artikel regelmäßig aktualisiert.

Für den besonderen Buch- und Kunstliebhaber haben wir zusätzlich 100 Exemplare mit einer individuell von Hand kolorierten und signierten Druckgraphik der Künstlerin versehen und hochwertig konfektioniert.

Ich freue mich persönlich, dass die Kunstförderung im Hause Brockhaus fortgeführt wird und bin sicher, dass die beiden von Yvonne van Acht gestalteten Ausgaben ihre Liebhaber finden wird.

Detlef Wienecke-Janz – Geschäftsleitung Verlag

Redetext von Alexander Tolnay

Redetext zur Veröffentlichung der Künstleredition des Brockhaus in einem Band. Zum Bild „Zeitgeist der Philosophen“ von Yvonne van Acht.

Eine genaue Bildbeschreibung des Bildes „Zeitgeist der Philosophen“ von Yvonne van Acht werden Sie anschließend direkt von der Künstlerin hören, daher gehe ich darauf jetzt nicht detailliert ein, sondern skizziere Ihnen eher kurz den Werdegang der Künstlerin und füge einige Gedanken hinzu, die zur Auswahl dieser Arbeit als Cover für das einbändige Brockhaus-Lexikon als Künstlerausgabe führte.

Die 1975 in Sachsen geborene Yvonne van Acht hat ihre Kindheit in der DDR verbracht und war 14 Jahre alt, als die Mauer fiel. Die ersten künstlerischen Schritte hat sie während der Wendezeit in der Malklasse junger Künstler in Berlin-Mitte erprobt, um danach Mitte der 90en Jahre an der Kunstakademie Maastricht Malerei zu studieren. Es folgten ausgedehnte Studienreisen in Lateinamerika, bevor sie von 2003 bis 2006 ihr Studium der Malerei in Essen fortsetzte. Von hier aus setzte sich ihr professioneller Werdegang über Stipendien und eine Serie von Ausstellungen fort.

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Ich habe Yvonne van Acht 2006 in China kennengelernt, wo sie an der Kunstakademie in Tianjin ein Gaststudium absolvierte. Ihre damaligen Arbeiten, die mit einem feinen Form- und Farbgefühl auf das dort Erlebte reagierten, haben mein Interesse gleich geweckt. So besuchte ich sie folglich ein Jahr später, als sie wieder in Deutschland war, in ihrem Atelier in Düsseldorf. Dieser Besuch fand zu einer Zeit statt, in der sich ihre heutige Handschrift, wie sie bei der hier vorgestellten Arbeit sichtbar ist, herauskristallisierte: ein zeichnerisch-druckgrafisch-malerischer Duktus, der bekannte Beispiele der abendländischen Kunst in grafisch-reduzierter Gestalt in malerisch-eruptive Farbräume setzt. Endgültig überzeugten mich diese Bilder als ich Anfang dieses Jahres ihre Einzelausstellung in der Städtischen Galerie Sindelfingen sah, in der mehrere Exponate in einer gelungenen Präsentation gemeinsam zu sehen waren.

Unter den dort gezeigten Bildern befand sich auch die 2008 entstandene Arbeit „Zeitgeist der Philosophen“, die mir später, als ich gebeten wurde, bei der Findung eines Covers für das einbändige Brockhaus-Lexikon als Künstlerausgabe behilflich zu sein, augenblicklich als geeignetes Werk einfiel; denn ich fand, dass mit seiner Bildsprache gelang es ihm, die Brockhaus Philosophie der Wissensvermittlung mit der ästhetischen Umsetzung zu verbinden.

Im Zentrum des Bildes „Zeitgeist der Philosophen“ sehen wir die beiden Philosophen Aristoteles und Platon. Die Figuren sind eine Übernahme aus dem im Vatikan befindlichen Fresko von Raffael „Die Schule von Athen“, dessen Titel auf die bedeutende philosophische Denkschule des antiken Griechenlands verweist und diese im Sinne der Renaissance als Ursprung der europäischen Kultur und Wissenschaften verherrlicht.

(Am Rande bemerkt: in der Gegenwartskunst ist Yvonne van Achts Bild ein Gegenentwurf zu dem Werk des bekannten deutschen Künstlers Ben Willikens, dessen Hauptwerk „ Schule von Athen“ mit einer auf Weiß und Grautöne reduzierten Farbskala lediglich den menschenleeren Raum mit abwesenden Philosophen darstellt.) Aristoteles hält sein Werk, die „Nikomachische Ethik“ in der Hand, Platon wiederum den „Timaios“, auch „Über die Natur“ genannt; die zwei gegensätzliche jedoch einander ergänzende Wissensgebiete behandeln. Die Künstlerin bettet die strengen Figuren der beiden antiken Philosophen in eine luftig-leichte Bildsprache unserer Zeit und schlägt damit die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Das Zusammenführen verschiedener Zeit- und Realitätsebenen bewirkt genau den Effekt, auf den es ihr ankommt: sie löst beim Betrachten einen Denkprozess aus.

Die Malerin Yvonne van Acht fordert nicht nur unser Auge, sondern auch unseren Intellekt und unser Erinnerungsvermögen. Sie führt eine geschichtliche Dimension der Kontinuität in ihr Bild ein, in der wir uns sowohl als Individuum und auch als Teil der Gesellschaft wiedererkennen können. Sie ist dabei kein Illustrator, sondern ein Symboliker, ja Allegoriker. Der Zitat, die Verwendung von bestehenden Bildern der Klassiker wird als gespeicherte Grunderfahrung verstanden, die sie gegenständlich so bindet und weiterentwickelt, dass der Betrachter – im Sinne des englischen Philosophen des 18. Jahrhunderts David Hume – über die Wahrnehmung und mithilfe von Assoziationen zu eigenen Erfahrungen und Vorstellungen gelangt. Auf dieser Weise prägen nicht nur die Erfahrungen und Vorstellungen der Künstlerin den eigentlichen Bildgegenstand, sondern auch die des Betrachters. Es zeigt sich letztendlich, dass die Bedingungen unserer eigenen Existenz und der uns umgebenden Welt nicht nur durch philosophische Ideen zu erkennen sind, sondern auch an konkreten sinnlichen Erfahrung gebunden ist. Den tieferen Sinn des Lebens zu erkunden sind wir sowohl auf die Hilfe von enzyklopädischen Werken – wie der Brockhaus – als auch von Kunstwerken – wie das Bild „Zeitgeist der Philosophen“ von Yvonne van Acht – angewiesen.

vorzeitgeist

Yvonne van Acht: Gedanken zu ihrem Werk „Zeitgeist der Philosophen“

In dem Werk „Zeitgeist der Philosophen“ wandeln Platon und Aristoteles über eine blau-weiße Himmelslandschaft. Als Zitat entnommen aus Raffael Santis Werk „Die Schule von Athen“, dass in der Stanza della Segnatura im Vatikan in Rom zu finden ist, verweisen die Philosophen zwar auf den damaligen Zeitgeist der Renaissance, doch durch die zeichnerisch veränderte Transparenz der Figuren in luftigen Gefilden gelangen sie in die Gegenwart unserer Zeit. Sie bewegen sich auf Baumrollen, die symbolisch ihr gesamtes Wissen repräsentieren, dass sie sich im Laufe ihres Lebens angeeignet haben und fungieren beinah als Stempel, die sich immer wieder neu abdrücken. Auf den Wolken wachsen Pusteblumen, auf deren Stengeln die Namen künftiger Philosophen stehen. Mit der Vorwärtsbewegung der Rollen werden die Pusteblumen nach und nach angestupst, wodurch ihre Samenschirmchen in die Welt fliegen.

Der gedankliche Hintergrund des Bildes liegt in der Weiterführung von Ideen und Inhalten: Dabei geht es nicht um die bloße Wiederholung von Wissen, sondern um ein Fortführen der Gedanken zu neuen Erkenntnissen in ihrem jeweiligen Zeitgeist von Epoche zu Epoche. Die eine baut auf die andere auf, jede Generation hat ihre eigene Sichtweise und inspiriert die folgende. Die Geschichte des Wissens ist wie eine fruchtbare Erde, die immer wieder neu bestellt werden muss, weil wir uns beständig verändern und uns wandeln in unserem jeweiligen Zeitgeist, unserer Sichtweise auf das Heute.

Die ursprüngliche Idee des Werkes entstand 2005 durch eine spontane Skizze, die zunächst in der frühen Akademiearbeit „Zwei junge Philosophen“ verwirklicht wurde. Das Thema der Baumrollen als Symbol der steten Wiederholung von Inhalten und Ideen fand in dieser Zeit in verschiedenen Akademiearbeiten seine Verwendung. Erst nach Ende der Akademiezeit, mit den sich 2007 weiter entwickelnden Themen der „Heldenreise“ und der Auseinandersetzung mit den dem Menschen zugrundeliegenden kollektiven Bildern, entstand der Zeitgeistgedanke mittels der Verwendung von Bildzitaten als dienliche Brücke zwischen Vergangenheit und Heute.